Museumsbesuch mit Führung 29.07.2017

Das Haus der Kunst zeigt eine Übersicht der Werke von Thomas Struth und Stefan-Maria Mittendorf (eigentlich Kunsthistoriker) übernimmt die Führung. Sie beginnt mit der Lakonischen Bemerkung „mera werdn ma woi net“. Mit drei Foto-Clublern ist die Gruppe überraschend schwach besetzt. Struth beginnt seine künstlerische Ausbildung mit zwei Jahren Malerei bei Gerhard Richter. Erst danach wechselt er in die Düsseldorfer Fotoschule, wo er sich unter Leitung von Bernd und Hilla Becher weiterentwickelt und die objektivierende Sichtweise der Neuen Sachlichkeit übernimmt. In den ersten 10 Jahren seiner Tätigkeit beschränkt er sich auf strenge Zentralperspektive. Es entstehen Schwarzweiß-Bilder von menschenleeren Straßen aufgenommen bei diffusem Licht. Die Fotos entsprechen einer „Dokumentation mit Interpretationsraum“. Anfang der 80er beginnt Struth sein Interesse am Menschen „nachzuholen“. In Zusammenarbeit mit einem Psychoanalytiker entstehen Familienfotos und Portraits, die den sozialen Rahmen des Models mit einbeziehen – prominentestes „Model“: die Queen. Ende der 80er kehrt er zur Straßenfotografie zurück, dieses Mal in Schrägansicht und etwas „knackiger“. Er möchte die Veränderung im Städtebau sichtbar machen – eine Dokumentation des Wiederaufbaus. Im Rahmen des Skulptur Projektes Münster projiziert er seine Architektur-Aufnahmen nachts auf glatte Hauswände. Saal 12 trägt die Bezeichnung „Löwenzahnzimmer“ und gibt eine Auftragsarbeit für ein Krankenhaus wieder. Die Therapie-Fotos gegenüber dem Krankenbett zeigen unspektakuläre Wege -Bilder, die am Kopfende eine Blüte, die schlich nur „schön“ zu sein hat – in gehoberen Sprache: ein „Pflanzenportrait“. Von unglaublicher Geduld zeugen die Museumsbilder. Ab Ende der 90er entstehen nicht inszenierte Studien von Museumsbesuchern vor berühmten Gemälden. Hier beweist der Fotograf ein ausgeprägtes Farbbewusstsein und Interesse an der Bewegungs-Komposition. Verhaltensstudien lässt ein Besucher-Panorama von beachtlicher Länge zu, das bei der 500-Jahr-Feier von Michelangelos „David“ entstand. Wie jeder Fotograf, der sich mit Kritik und Dokumentation befasst, hält Struth auch die Siedlungspolitik fest, wo sie mit Trennungsproblemen befrachtet ist. Ab 2007 kommt das Interesse an der Technik zum Tragen. In einer oftmals wie „planloses Gewurschtel“ wirkenden Anordnung findet das Auge Halt an Farbe und einzelnen Strukturelementen (oftmals senkrechte Linienführung am linken Bildrand). – Besondere Aufmerksamkeit erregte das Foto eines OP-Saales, bei dem erstmals gezielt das Licht die Blickführung in die Farbmenge übernimmt. Soweit der Kurzbericht über die eher biografisch angelegte Foto-Ausstellung, die bewusst auf technische Hinweise verzichtet. Wie jede Ausstellung unterliegt sie dem persönlichen Urteil: „gefällt mir“ / „gefällt mir nicht“ und fordert Dialoge heraus wie: „ich hätt‘ das Bild anders gemacht“ – „das Bild hätt‘ ich gar nicht gemacht; das gibt mir nix ab“. Die Ausstellung zeigt einen personenbezogenen Blickwinkel, allgemein interessierende Dinge zu sehen. Sie gibt damit sowohl Anregungen als auch eine Bestätigung eigenständiger Betrachtungen, die jeder Fotograf für sich in Anspruch nehmen kann. Insbesondere bestätigten die von allen gelobten Werke einmal wieder, dass es nicht nötig ist, kleine Unebenheiten „wegzustempeln“. Auf jeden Fall war die Ausstellung je ein Stückchen Kultur und Gemeinsamkeit. Die Gemeinsamkeit haben die Foto-Clubler dann im Anschluss an den offiziellen Teil noch bei einer Brotzeit am Chinesischen Turm gepflegt und bei italienischem Hausbrandt-Kaffee und beim „Verrücken Eismacher“… Auf diese Weise ist das Ganze zu einem angenehmen Tag geworden. Kurzbericht: Rita Plafka (als Gast mit dabei)